Chlamydien

Information zur Chlamydien-Infektion

Leider gibt es bisher noch keinen volkstümlichen Ausdruck für die Krankheit oder genauer die verschiedenen Krankheitsbilder, die von Chlamydien verursacht werden.
 

 

  • Es handelt sich um Kleinstbakterien. Man unterscheidet zwei Gruppen:


    1. Chlamydia trachomatis
    2. Chlamydia pneumoniae


Erstere werden durch Geschlechtsverkehr übertragen, die zweite Gruppe über die Atemwege. Man schätzt, dass jede 10. Lungenentzündung durch diese zweite Gruppe ausgelöst wird.

Wenn man von Chlamydien-Infektionen spricht, ist i.d.R. die erste Gruppe gemeint (Chlamydia trachomatis).

Die Chlamydieninfektion kann sich sehr unterschiedlich ausbreiten und überdies in jeder Erscheinungsform sehr unterschiedlich deutliche Symptome hervorrufen. Von völliger Beschwerdefreiheit über viele Jahre hinweg bis zu schweren Unterleibs- oder Gelenkserkrankungen ist alles zu beobachten. Ein Beschwerdebild, welches speziell nur durch Chlamydien verursacht wird, gibt es nicht.

Beim Verdacht auf Chlamydieninfekt muss der Arzt die zur Zeit zur Verfügung stehenden Nachweismethoden einsetzen. Diese sind zwar ständig verbessert worden, liefern aber immer noch nicht hundertprozentig zuverlässige Resultate.

Neuere Nachweise machen sich die Reaktion des Blutes auf die Krankheit zunutze. Hierbei werden nicht die Chlamydien selber nachgewiesen, sondern die Abwehrstoffe, die der Körper gegen die Eindringlinge aufbietet (sog. Antikörper). Leider sind längst nicht bei allen Chlamydien-Infektionen überhaupt Antikörper nachweisbar, besonders nicht bei frischen Infekten.

Vor allem bei jungen Frauen (und Männern) sollte man im Zweifelsfall immer eine Behandlung einleiten, da eine nicht ganz seltene Form der Erkrankung, die Eileiterinfektion, zu Schäden an den Eileitern bis hin zur Eileiterunfruchtbarkeit führen kann.

Bedenkt man, dass nach neueren Untersuchungen wahrscheinlich jeder zehnte Bundesbürger an Chlamydien erkrankt, so ist es erstaunlich wie selten die Krankheit tatsächlich erkannt und behandelt wird.

Folgende Abschnitte des Körpers können mit folgenden Symptomen betroffen sein:
 

 

 

Muttermund:


- Ausfluss ohne Juckreiz oder Geruchsbelästigung (der Arzt findet auffallend viele weiße Blutkörperchen im Scheidenabstrich). - Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr.


Gebärmutterinnenwand:


- Blutungsstörungen aller Art, besonders Zwischenblutungen unter Pilleneinnahme bzw. unter Hormonbehandlungen nach den Wechseljahren. - verstärkte Regelschmerzen - leichte Beschwerden in der Unterbauchmitte vergleichbar einer Blasenentzündung
 

Eileiter:


- chronisch immer wiederkehrende uncharakteristische Beckenschmerzen, insbesondere unter den Leisten. - Schmerzen beim Geschlechtsverkehr - schlimmstenfalls eine schwere Eileiterentzündung mit Bauchfellentzündung und Fieber.
 

Harnröhre:


- Brennen beim Wasserlassen.
- Harnröhrenausfluss
- Schmerzen beim Verkehr
 

Scheideneingang:


- Die sog. „Bartholin´sche Drüse“ kann sich entzünden und zu einem hühnereigroßen schmerzhaften Knoten anschwellen.
 

Leberkapsel:


- völlig uncharakteristische Oberbauchbeschwerden unter dem Rippenbogen ("Hepatitis ohne veränderte Leberwerte").
 

Gelenke:


- rheumaähnliche Schmerzen ("Rheuma ohne veränderte Rheumatests°)
 

Augen:


- chronisch gerötete Augen
 

Atemwege:


- untypische Form der Bronchitis oder Lungenentzündung

Wie man sieht, sind alle beschriebenen Beschwerdebilder für sich genommen nicht charakteristisch. Sie könnten jeweils auch durch andere Krankheiten verursacht sein. Typische Fehldiagnosen sind Blutung durch Pille, seelisch verursachter Leibschmerz, Blinddarmentzündung, Magenschleimhautentzündung, Blasenentzündung, Endometriose u.a.m.. Nicht selten werden dann falsche diagnostische Maßnahmen oder Behandlungen eingeleitet, z.B. Ausschabungen der Gebärmutter bei Blutungsstörungen.

Männer erkranken ebenso wie Frauen auch an ihren inneren Genitalorganen, d.h. Samenblasen, Prostata und Hoden. In neuerer Zeit ist immer deutlicher geworden, dass dies auch zur Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit führen kann.
Ein besonderes Kapitel ist die Chlamydieninfektion in der Schwangerschaft.
Durch Stoffe, die von den Bakterien im Gebärmutterhals produziert werden (sogenannte Prostaglandine), kann es zur vorzeitigen Öffnung des Muttermundes kommen. Parallel entwickelt sich eventuell eine Eihautinfektion, die einen vorzeitigen Blasensprung mit völligem Fruchtwasserabgang zur Folge haben kann. Die Geburt ist dann nicht mehr aufzuhalten. Folge ist eine Frühgeburt zu einem für das Neugeborene noch lebensgefährlichen Zeitpunkt.


Bei den Neugeborenen findet sich in hohem Prozentsatz eine Augenentzündung oder eine untypische Bronchitis bzw. Lungenentzündung. Im Wochenbett führen Chlamydien zu einer Form der Gebärmutterentzündung, die tückischerweise erst Wochen nach der Geburt Symptome macht, d.h. wenn die Mutter bereits längst wieder zu Hause ist und alles überstanden zu haben glaubt.
Es kommt zu Blutungen, Ausfluss, Schmerzen, eventuell auch Fieber ("verspätetes Wochenbettfieber").

Behandlung

Es gibt einige effektive Antibiotika (=bakterientötende Substanzen) gegen Chlamydien. Sie müssen ausreichend hoch dosiert werden und ausreichend lange von beiden Partnern angewandt werden. Die Behandlungsdauer hängt davon ab, unter welchem Krankheitsbild sich die Infektion präsentiert.

Muttermundentzündung: 10 Tage

Eileiterentzündung: 20 Tage

Gelenkentzündung: 30-90 Tage

Behandelt sich ein Partner nicht, ist der Rückfall programmiert.
Chlamydien durchlaufen einen ganz bestimmten Entwicklungszyklus. Dabei verharren sie einige Zeit lang in einem Stadium, in dem sie vor Medikamenten geschützt in der Zelle liegen. Das macht eine gewisse Behandlungsdauer notwendig, erklärt manchen Therapieversager und macht auch klar, weshalb während der Zeit der Behandlung auch dann kein Verkehr stattfinden darf, wenn sich beide Partner parallel behandeln.
Das gebräuchlichste Therapeutikum ist zur Zeit die Substanz Doxycyclin (unter vielen verschiedenen Firmennamen im Handel, z.B. Supracyclin, Vibramycin, Azudoxat u.a.).

Man nimmt eine Tabl. zu 200 mg täglich für 10-20 Tage, am sinnvollsten abends und mit viel Flüssigkeit.
Bitte beachten: 3 Std. vor und nach Einnahme keine Milch oder Milchprodukte zu sich nehmen, da sonst die Wirkung aufgehoben ist.
Vorsicht vor starker Sonnenbestrahlung und Sonnenbank. Die Substanz sensibilisiert die Haut gegen Sonnenstrahlen. Folgen sind Schmerzen der Haut (wie Millionen Nadelstiche). Nach der Therapie darf man wieder sonnenbaden.
In der Schwangerschaft werden andere Stoffe verwendet, die erwiesenermaßen für das Kind unschädlich sind.

Nur bei schweren Erkrankungsformen und bei Allergie gegen Doxycyclin werden neuere sehr wirksame Breitbandantibiotika eingesetzt. Sie sind teuer und haben ein erhebliches Nebenwirkungspotential.