Unerfüllter Kinderwunsch

Der Befruchtungsvorgang - Eingriffe bei Unfruchtbarkeit

Um zu verstehen, was das Ziel einer Operation bei Kinderwunsch ist, muss man wissen, was ein Eileiter im Normalfall leistet. Manche ältere Vorstellung musste in der Vergangenheit revidiert werden.

Eileiter und Eierstöcke können durch verschiedene Krankheiten so gestört sein, dass sie ihre Funktion nicht mehr erfüllen können. Viele dieser Veränderungen können durch endoskopische Techniken u. a. endoskopische Mikrochirurgie erfolgreich behandelt werden.
 

 

Zu den Bildern:

Bild 1: Ein Eierstock unmittelbar vor dem Eisprung. Man sieht das in natura ca 20 mm große Eiblaschen, in der Fachsprache wird es als "sprungreifer Follikel" bezeichnet.

Bild 2: Aus dem Eibläschen wird nach dem Eisprung innerhalb einiger Tage ein Gelbkörper. Er produziert das für eine Schwangertschaft wichtige Progesteron, das deshalb auch "Gelbkörperhormon" genannt wird. Man sieht noch die Stelle, an der die Eizelle den Eierstock verlassen hat.


Zunächst transportieren die Eileiter die Samenzellen aus der Gebärmutter in den sog. Douglas´schen Raum. Das ist nichts anderes, als der tiefste Punkt der Bauchhöhle. Er liegt hinter der Gebärmutter bzw. gleich oberhalb des Scheiden-Endes. Hierhin fallen ganz automatisch auch die aus dem Eierstock beim Eisprung herausgespülten befruchtungsfähigen Eizellen. Die Befruchtung findet nicht, wie oft zu lesen, im Eileiter statt. Die Eileiter fangen die Eizellen auch nicht beim Eisprung am Eierstock auf. Die Befruchtung läuft im Douglas´schen Raum ab. Hier passiert das, was bei der Reagenzglasbefruchtung in einem Glasgefäß in ganz ähnlicher Weise auf den Weg gebracht wird. Genau wie bei der Reagenzglasbefruchtung ist auch im Körper die Zusammensetzung der Flüssigkeiten wichtig, in der die Befruchtung ablaufen soll. Einfach ausgedrückt würde z. B. in Wasser keine Befruchtung erfolgen, selbst wenn gesunde Samen- und Eizellen zusammen kämen. Dies macht klar weshalb Krankheiten, die ungünstigen Einfluss auf die Chemie des Douglas´schen Raumes haben, zu Unfruchtbarkeit führen können (Entzündungsprozesse, Tumoren, Endometriose). Nach erfolgter Befruchtung muss der junge kugelförmige Embryo in die Gebärmutterhöhle transportiert werden. Im Reagenzglas erfolgt dies mit einem kleinen Katheter und etwas Nährlösung. In der Natur ist es ein komplexer Transportvorgang. Durch Muskelbewegungen bauen die Eileiter einen Sog auf. Sie transportieren auch tote Materie innerhalb von Stunden nach außen in die Scheide. Eine Arbeitsgruppe aus Tschechien wies dies mit Eiweißteilchen nach. Dieser Transport läuft interessanterweise in beide Richtungen. Das Aufsteigen toter Materie von der Scheide in den Bauchraum ist mit radioaktivem Material nachweisbar. Die Spermien werden nach dem Geschlechtsverkehr ebenfalls durch einen Sog extrem schnell in Richtung Bauchhöhle transportiert. Ihre Beweglichkeit dient wahrscheinlich nicht zur Fortbewegung aus dem Gebärmutterhals in den Bauch, sondern zum Eindringen in die Eizelle.

Es stimmt also nicht, dass die Eileiter die Eizellen am Eierstock auffangen und die Befruchtung im Eileiter stattfindet. Die Eileiter funktionieren als Sauger. Dies erklärt, weshalb bei einer Eileiterschwangerschaft der Gelbkörper (also die Struktur, aus der die Eizelle vorher ausgespült wurde) genauso oft auf der gleichen Seite wie auf der Gegenseite zu finden ist. Dies erklärt auch, weshalb die Samenzellen nicht durch die Eileiter in den Bauch gelangen müssen. Man kann sie einfach mit einer Spritze durch die Bauchdecke in den Douglas´schen Raum bringen. Liegt dort eine Eizelle, tritt eine Schwangerschaft ein. Seit man dies weiß, ist klarer, welche Ziele ein Operateur verfolgen muss. Es macht z. B. wenig Sinn, einen Eileiter am Eierstock zu fixieren, damit er Eizellen auffangen kann.

Um einen Embryo aus dem Boden des Douglas´schen Raumes saugen zu können, muss ein Eileiter lang genug sein. Sein Sog ist naturgemäß schwach. Er muss deshalb in direkten Kontakt mit dem Embryo kommen und darf auch nicht durch Verklebungen mit irgendwelchen Nachbarorganen zu sehr bewegungseingeschränkt sein. Die Wahrscheinlichkeit, den Embryo zu erwischen, sinkt sonst zu sehr. Das offene Ende des Eileiters hat ein bestimmtes Aussehen. Es erinnert an eine offene Lilienblüte und ist überzogen mit einer zottigen Schleimhaut, die wichtig für den Embryotransport ist. Ein Verlust von ca. 30 % des Zottenmaterials gilt als kritisch. Der Operateur kann einen verschlossenen Eileiter zwar wieder öffnen, auskrempeln und die Auskrempelung stabilisieren. Er kann aber Gewebe, das z. B. durch eine Eileiterentzündung vorher verloren ging, nicht wieder zurückbringen. Ob das Mobilisieren oder Öffnen eines Eileiters per Leibschnitt oder per Bauchspiegelung durchgeführt wird, sollte vom Ergebnis her in der Hand eines Endoskopieexperten keinen Unterschied machen. Für die Patientin besteht der Unterschied vor allem darin, dass die Bauchspiegelung deutlich weniger belastet und schmerzt. Die Entlassung ist nach einer Bauchspiegelung noch am Operationstag möglich. Mit einem Leibschnitt sind Krankenhausbehandlungen von ein bis zwei Wochen üblich.

Seit Charles Koh auch Eileiter wiederherstellte, die bewusst zum Zwecke der Sterilisation am umschriebener Stelle zerstört wurden, ist klar, dass man per Endoskopie auch ganz verschlossene Abschnitte aus dem Eileiter trennen kann, um wieder intakte Eileiter herzustellen. In jedem Einzelfall einer Eileiteroperation muss der Operateur aber abwägen, ob die Patientin nicht besser mit einer Reagenzglasbefruchtung beraten wäre. Es kann z. B. sein, dass nach der Operation ein unvertretbar hohes Risiko für eine Bauchhöhlenschwangerschaft resultiert bei gleichzeitig sehr geringen Chancen für eine normale Schwangerschaft.

Ob Eileiter verschlossen und (oder) mit der Nachbarschaft verklebt („verwachsen“) sind, zeigt die Bauchspiegelung mit Durchspülung der Eileiter.

Die Eierstöcke sind Lieferant der Eizellen. Schon im Mutterleib werden vor der Geburt eines Mädchens ihre Eizellen in den Kapseln der Eierstöcke bereit gelegt. Im fruchtbaren Alter werden Monat für Monat die Eizellanlagen aktiviert. Sie produzieren nicht nur die Eizellen, sondern liefern gleichzeitig auch die für die Fruchtbarkeit notwendigen Hormone. Zunächst entstehen zahlreiche winzige Eibläschen, dann übernimmt eines die Führung und wächst zu einer ca. 2 cm großen wässrigen Blase heran. Diese öffnet sich etwa 14 Tage nach Beginn der Regel auf wundersame Weise. Sein Inhalt fließt mitsamt Eizelle in den Douglas´schen Raum. Diesen Vorgang nennt man „Eisprung“. Er kann u. U. schmerzhaft empfunden werden. Die im Eierstock zurückbleibende Höhle schließt sich und ändert ihre Funktion. Sie beginnt ein Hormon zu produzieren, das für eine evtl. nachfolgende Schwangerschaft dringend benötigt wird. Weil das umgewandelte Eibläschen jetzt eine gelb – orange Farbe annimmt und sich mit einem lockeren Gewebe füllt, spricht man nicht mehr von einer Blase, sondern vom „Gelbkörper“. Gelbkörper können bis zu mehreren Zentimetern groß sein und im Ultraschallbild zu Verwechslungen mit Krankheitsprozessen (Zysten) führen. Das vom Gelbkörper produzierte Hormon nennt man in der Umgangssprache „Gelbkörperhormon“ (Fachausdruck: Progesteron).

Merke: Östrogene produziert der Eierstock immer. Gelbkörperhormon nur in der Zeit nach dem Eisprung bis zur nächsten Regel.

Durch das Gelbkörperhormon steigt die Körpertemperatur um ein halbes Grad Celsius an. Man kann dies mit empfindlichen Methoden in Enddarm oder Ohr messen. Körperliche Aktivität hebt die Körpertemperatur und verfälscht die Messung. Man misst am besten morgens vor dem Aufstehen. Tritt keine Schwangerschaft ein, löst sich der Gelbkörper auf, die Temperatur fällt ab, die Regel kommt und der Prozess beginnt von vorne.

Verklebungen der Eierstockoberfläche mit der Umgebung können den Vorgang des Eisprungs behindern oder effektlos machen. Der Operateur muss dann versuchen, diese Verklebungen in der richtigen Schicht zu durchtrennen. Das gelingt meist. Sehr schwierig ist es jedoch, das frisch operierte Gewebe am erneuten Verkleben zu hindern. Hier wird viel geforscht. Zufrieden sind wir Operateure mit dem Erreichten heute noch nicht. Ob Verwachsungen der Eierstöcke vorliegen, kann man nur per Bauchspiegelung klären. Alle anderen Techniken geben unvollständige Informationen.