Wechseljahrsbeschwerden

Hormonbehandlung von Wechseljahresbeschwerden

Die mit Abstand wirkungsvollste Behandlung des sogenannten "Klimakterischen Syndroms" mit Hitzewallungen, Schlafstörungen, Depressionen etc. besteht in der Gabe von natürlichem Östrogen (Östradiol).

Auch die Endergebnisse einer großen amerikanischen Studie zur Hormonbehandlung der Wechseljahre, die im Jahre 2003 für große Aufregung in der Laienpresse gesorgt hat (WHI-Studie), liegen jetzt vor.

Wird eine Östrogenbehandlung früh begonnen (d.h. vor dem 60. Lebensjahr), bietet sie eine Schutzfunktion für die Herzkranzgefässe.
Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Hirnschlag) wird nachhaltig gesenkt. Immerhin macht dieser Komplex ca. 40 % aller Todesfälle aus. Weiterhin schützen Östrogene vor Dickdarmkrebs.
In allen Studien zeigte sich, das Östrogene das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken um ca. 30-40 % absenken.
Schließlich schützen Östrogene vor Osteoporose. Mit den Wechseljahren beginnt immer ein schleichender Knochenabbau, der sich aber erst ca. 15 -20 Jahre später inForm von Knochenbrüchen auswirkt.
Zusätzlich helfen Vit. D, Calcium und Bewegung.

Folgende wissenschaftliche Gesellschaften und Verbände haben im Oktober 2012 eine gemeinsame (!) "Anwendungesempfehlung für die gynäkologische Praxis zur Hormonsubstitution im Klimakterium und in der Postmenopause" formuliert: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe,
Berufsverband der Frauenärzte, Deutsche Menopause Gesellschaft,
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologogie und Fortpflanzungsmedizin, Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, Sektion Reproduktionsbiologie und -medizin, Dachverband für Reproduktionsbiologie und -medizin, Deutsche Gesellschaft für Senologie, Deutsche Gesellschaft für Frauengesundheit.
Auf Wunsch händigen wir interessierten Patientinnen gerne eine Kopie dieser Publikation aus.

Fazit:
Nach neuestem Wissensstand ist die Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden am sichersten mit Östogenen durchzuführen, die durch die Haut aufgenommen weren (Pflaster oder Gel). Ist die Gebärmutter noch vorhanden muß zu ihrem Schutz zusätzlich ein Gestagen eingenommen werden. Hier ist das natürliche Progesteron die sicherste Substanz.
In einigen Studien zeigte sich ein gering erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, in anderen nicht. Der Effekt ist in jedem Fall sehr gering. Beim Eierstockkrebs ist es ähnlich eine Studiengruppe zeigte kein erhöhtes Risiko (retrospektive Studien), eine andere zeigte ein gering erhöhtes Risiko(prospektive Studien).
In Zahlen: Zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr erkranken von 1000 Frauen 1-2 an Eierstockkrebs. Unter Östrogenbehandlung ist es eine Frau mehr.

Es ist bei dieser Datenlage nicht sinnvoll, auf Östrogen nach den Wechseljahren zu verzichten und klimakterische Beschwerden zu ertragen.

Weitere Behandlungsformen in und nach den Wechseljahren:

Die Rolle von Östriol:
Es gibt ein wichtiges Östrogen, welches nicht an der Brust und an der Gebärmutter wirksam wird. Dieses Östrogen heißt „Östriol“.
Diese Substanz ist in der Lage bis ins hohe Alter die Elastizität des Beckenbodens zu erhalten, was für die Vermeidung einer "schwachen Blase" entscheidend ist. Mit Östriol gelingt es, Rückbildungserscheinungen der Scheide (Schrumpfen, Trockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) sicher zu vermeiden. Die natürliche Vaginal-Bakterienflora bleibt erhalten. Gleichzeitig wird auch die Schleimhaut von Harnröhre und Blase stabilisiert.
Es macht überhaupt keinen Sinn, nach den Wechseljahren auf Östriol zu verzichten. 1 - 2 Zäpfchen oder Tabletten pro Woche reichen aus (lebenslang).

Pflanzen-Östrogene sind nicht wirklich eine Alternative:
Nahrungsergänzungsmittel auf Basis von Soja und Rotklee werden auch als Heilmittel bei Wechseljahresbeschwerden propagiert. Solche Produkte sind allerdings weder hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, noch in Bezug auf ihre Sicherheit ausreichend untersucht. Im Gegenteil, für die in Soja und Rotklee enthaltenen Isoflavone Genistein und Daidzein, die in ihrer Struktur den Östrogenen ähneln, gibt es - sowohl aus zellbiologischen Untersuchungen als auch aus Tierversuchen - sogar Hinweise, dass sie das Wachstum von Brustkrebszellen stimulieren. Mögliche "Nebenwirkungen" von Phytoöstrogenen sind vaginale Blutungen, Gewichtszunahme und Magen-Darm-Beschwerden. Deshalb ist die Einnahme von Phytoöstrogenen auch von einer hohen Drop-out-Rate und einer geringen Compliance-Rate gekennzeichnet.

Autor: Gyn-Depesche-Redaktion, Gesellschaft für medizinische Informationen mbH

Dr. med. A. Maucher