Eierstockzysten

Begriffserklärung: Zyste = Flüssigkeitsgefüllte Kammer

Es wird heute gefordert, jede einzelne Eierstockzyste bis zum Beweis des Gegenteils vorsichtshalber wie einen bösartigen Tumor zu operieren. Das bedeutet, dass die Bauchorgane und das Bauchfell vor dem Kontakt mit dem Zysteninhalt geschützt werden müssen. Dies ist seit Mitte der 90-er Jahre durch sog. „Bergebeutel“ möglich, in die das Eierstockgewebe eingebracht wird. Idealerweise wird zu Beginn der Operation der ganze Eierstock mitsamt Geschwulst in den Bergebeutel platziert. Die Operation am Organ findet dann innerhalb des Bergebeutels statt. Diese Technik wurde u. a. durch Herrn Auweiler mit einem besonders geschickt entworfenen und von ihm patentierten Bergebeutel perfektioniert. Bergebeutel schützen den Bauchraum auch vor aggressiven chemischen Stoffen, Ölen und Fetten, die man gelegentlich in Eierstockgeschwulsten antrifft und die früher mit wässrigen Spüllösungen nur mühsam auszuwaschen waren.

Was passiert, wenn versehentlich Zellmaterial aus bösartigen Geschwulsten in den Bauchraum gelangt? Innerhalb eines Zeitraumes von max. einer Woche muss eine dem Erkrankungsstadium gerecht werdende Leibschnittoperation folgen. Für drei Monate muss eine Chemotherapie angeschlossen werden. Diese wäre bei einer primären Leibschnittoperation und bei gleichzeitigem Vorliegen eines Frühstadiums der Krankheit nicht nötig. Mehrere groß angelegte Studien haben belegt, dass die Forderung, alle Eierstockzysten per Leibschnitt (sogar Längsschnitt) zu operieren, keine Berechtigung mehr hat (Dembo, USA/Sevelda, Wien). Mit Einführung der Bergebeuteltechnik war diese Frage entschieden. Leider ist der operative Stand in den Kliniken z. Zt. noch nicht einheitlich, was sich durch die hohen Ansprüche erklärt, die an den Operateur gestellt werden.

Nachdem eine Zyste aus dem Eierstock entfernt ist, kann die zurückbleibende Wunde entweder verschlossen oder offen gelassen werden. Für den Wundverschluss verwenden wir im OPZ einen Klebstoff, der aus Blutbestandteilen hergestellt wird, aber keine Krankheiten überträgt. Er bewirkt neben dem Wundverschluss eine Wundstillung und einen Schutz vor Verwachsungen. Da es sich um organisches Material handelt, ist die Gewebeverträglichkeit optimal.

Ein operierter Eierstock bleibt voll funktionstüchtig. Das hormonproduzierende Gewebe ist in seiner weißen Kapselschicht lokalisiert. Diese Schicht bleibt beim Ausschälen einer Eierstockzyste größtenteils erhalten. Operationen an den Eierstöcken hinterlassen relativ wenig Schmerzen. Nachblutungsgefahr ist praktisch nicht gegeben, wenn eine sorgfältige Blutstillung erfolgt ist. Diese Eingriffe eignen sich optimal für eine ambulante Durchführung.
 

Erkärung zu den Abbildungen:

Bild 1: Dieser Eierstock ist durch eine Zyste aufgetrieben. Sie schimmert gelbgelb durch die Kapsel des Eierstockes. Der Fachmann wird hier eine gutartige Veränderung vermuten, da die Kapsel glatt und die Arderstruktur regelmässig ist und weil keine Verwachsungen bestehen. Die gelbe Farbe spricht für ein sog. "Dermoid", eine Geschwulst, die aus Hautanteilen (!) besteht.

Bilder 2 und 3: Die Kapsel ist gespalten worden. Zwei 3 mm dünne Greifer halten die Kanten des gesunden Kapselgewebes. Die weitere Präparation efolgt stumpf oder mit einer Schere.

Bilder 4, 5 und 6: Ablauf einer anderen Zystenoperation. Zunächst wird der Eierstock in einen Bergebeutel platziert. Darin wird dann die herausgeschälte Zyste aus dem Bauch geborgen.

Bild 7: Der Eierstock ist mit Fibrinklebstoff neu formiert worden. man sieht ihm die OP nicht mehr an. Er ist sofort wieder voll funktionstüchtig.

Bild 8: So wird ein Eierstock ganz entfernt, nämlich praktisch völlig unblutig. Die Schnittstrecke wird zuvor elektrisch verödet.