Dysplasie-Behandlung

Therapie bei Erkrankungen des Muttermundes (Dysplasien)

 


Worum es sich bei Dysplasien handelt, ist im Kapitel "Krankheiten"
unter "HPV im Genitalbereich" erklärt.

Eine medikamentöse Behandlung der Muttermund-Dysplasie ist bis heute nicht möglich. Einzige effektive Therapie ist die Operation. Für die operative Behandlung der Muttermundveränderungen stehen verschiedene, dem individuellen Befund angepasste Verfahren zur Verfügung. Im Rahmen der sog. Dysplasie-Sprechstunde (Dr. Maucher) werden den Patientinnen die für sie optimalen minimalinvasiven Methoden ausgesucht und genau erklärt.

Sehr elegant, präzise und schonend ist die Abtragung der kranken Haut durch Vaporisation, das heißt gezielte Verdampfung der kranken Haut mittels elektrischer Hochfrequenz-Chirurgie oder Laserlicht.
Diese Maßnahme ist immer kombiniert mit gezielter Entnahme von Gewebeproben aus den Bezirken, die bei der Untersuchung mit einem sog. Kolposkop am auffälligsten erscheinen. Das kranke Gewebe wird hierzu zunächst mit 5% iger Essiglösung und anschließend mit Jodlösung betupft. Die Gewebeproben sind wichtig um zu belegen, das die Diagnose gestimmt hat und das richtige Verfahren gewählt wurde.

Bei uns hat zunehmend die Entnahme von Biopsien und das Verdampfen von Dysplasieherden mittels Elektrochirurgie den Laser verdrängt.

Liegt eine schwere Dysplasie vor, eignet sich die Entnahme von Biopsien mit Zerstörung des Kranheitsherdes nicht. Man strebt in dieser Situation eine feingewebliche Untersuchung des gesamten kranken Gewebes an und schneidet deswegen den ganzen Herd heraus.
Man riskiert so nicht, dass man evt. die am meisten erkrankte Stelle nicht erfasst hat (Das Risko hierfür läge statistisch bei ca 30%).

Die Kunst des Operateurs besteht darin, besonders bei jungen Frauen mit Kinderwunsch nicht mehr zu entfernen als unbedingt nötig. Der Pathologe, dem das Präparat zugesandt wird, beschreibt dann, ob der Herd im Präparat enthalten ist. Er muss also die Ränder gut beurteilen können. Die Im OPz von mir weit überwiegend durchgeführte OP-Technik ist die präzise Ausschneidung des kranken Gewebes mit einer elktrischen Nadel. Sie arbeitet mit modulierten Mikroströmen. Man kann ihr ihr den Verlust von gesundem Gewebe minimieren. Sie heißt "Nadel Excision der Transformations-Zone" (N.E.T.Z.).

Das Ausschneiden der Dysplasie erfolgt meist in Form einer flachen Scheibe, was man im Anglo-amerikanischen Raum als "Coin" bezeichnet.
Gelegentlich muss aber auch höher geschnitten werden. Das gewonnene Präparat ist dann kegelförmig, weshalb man von einem Konus (englisch "Cone") spricht und die Operation "Konisation" nennt.
Wir streben im OPZ wo immer möglich an, dass das Präparat die Form einer Münze hat ("Coin"). Konisationen führen wir sehr zurückhaltend durch. Die Entnahme eines großen Gewebekegels ist nur ausnahmsweise sinnvoll bzw. notwendig.

Für alle beschriebenen Techniken gilt, dass sie theoretisch in einer Form von örtlicher Betaubung durchführbar sind. Wir empfehlen aber grundsätzlich eine kurze Narkose. Der Muttermund befindet sich weit oben am Ende der Scheide. Wenn keine starke Gebärmuttersenkung vorliegt, muss das OP-Team also die Scheide weit spreizen. Das ist ohne Narkose naturgemäß schmerzhaft und sehr unangenehm - Stress für Patientin und OP-Team.

Nach einer Dysplasie-Operation darf jede Patientin in der Regel sofort wieder normale körperliche Aktivität aufnehmen. Die Vorsichtsmaßnahmen, die man von den früher üblichen großen Konisationen (sog. Messer-Konisationen) her kennt, gelten bei unseren Verfahren nicht. Die alte große Messer-Konisation gilt vor allem für junge Frauen wegen der nachteiligen Folgen für Kinderwunsch und nachfolgende Schwangerschaft als obsolet. Das ist so festgeschrieben in der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), siehe Link dorthin auf Seite 2.

A. Maucher